Auslandsgesellschaft Deutschland




 

Koch WM 6.6.2014
Beitrag von Dirk Berger

Köchinnen und Köche aus 32 Nationen, und zwar exakt aus den Teilnehmerländern der Fußball-WM, traten am 6. Juni im Vorfeld des Großereignisses im Auslandsinstitut zum WM-Kochen gegeneinander an. Beim grenzenlosen Genießen belegte Ghana den ersten Platz, gefolgt von Iran und Chile. Und zwar kenntnisreich bewertet von einer Jury bestehend aus Detlef Lotte, Ulrich Sierau, Babett und Titus Wallek, Ulrich Sierau sowie dem „Otto Normalgeschmack“ der Besucher.

Waakye mag in Ghana ein traditioneller Hochgenuss sein - aber auch in Dortmund mit seiner industriekulinarischen Pommes-Tradition? Comfort Kodua und Doris Meyer kennen auch nicht die sprachlichen Feinheiten der Nordstadt, die Currywurst und Pommes als Phosphatstange mit Vierkantnudeln verbrämen. Die Ghanaerinnen wussten nur eines: Dass Waakye, ihr Reistopf mit weißen Bohnen, Tomaten und Rindfleisch jedem kulinarischen Vergleich standhält. Zum Schluss reckten sie ihre WM-Trophäe in den Himmel: Eine XXL-Pfeffermühle.

Eines war vorher schon klar: Nachwürzen musste man bei diesem Kochfestival nichts. Das Wetter stimmte, und die Stände waren von Häppchen-Jägern bevölkert, die für fünf Euro vier Portionen probieren konnten. Und für zehn Euro acht, was sich als ein mehr als auskömmliches Auswärtsessen herausstellte. Mit abstimmen durfte jeder Gast.

Philipp Schwarz und Matthias Mertes, beide im Rahmen ihres Studiums als Praktikanten bei der Auslandsgesellschaft beschäftigt, hatten den Koch-Event organisiert. Wobei Schwarz eine Erinnerung an die EM 2012 reanimierte, als in einem Dortmunder Restaurant jeweils zum Spiel der deutschen Mannschaft ein passendes Gegner-Menü gereicht wurde. „Wir haben uns dann über alle Kanäle schlau gemacht, wie wir an Vertreter aus allen teilnehmenden Nationen kommen könnten“, erinnert sich Mertes.

Die Integrations- und Sprachkurse des Auslandsinstitutes wurden durchfächert, Universität und FH eingeschaltet, selbst Konsulate und Botschaften angeschrieben. „Von den großen Staaten kam nichts, die haben uns nicht ernst genommen“, so Schwarz, „aber aus Ländern wie Honduras, der Schweiz oder Uruguay kriegten wir sofort eine Antwort.“ Bis hin zum Organisieren der Warmhalteplatten, Töpfe und Pfannen nicht wenig Arbeit für die zwei - aber was ist das schon gegen das satte Gefühl, ein Festival gewuppt zu haben?

„Kaum etwas verbindet fremde Kulturen besser miteinander als ein gemeinsames Festmal“, damit hatte AGD-Geschäftsführer Marc Frese die Koch-WM eröffnet. Projektmanagerin Martina Plum stellte die einzelnen Teilnehmerländer, Köche und Rezepte kurz vor. Es stellte sich das Gefühl ein, als verbände das Auslandsinstitut eine öffentliche Koch-Fete mit dem ureigensten Anspruch, Menschen zusammenzuführen und Scheu abzubauen.

Da hatte Anne Schmidt aus Bochum schon längst den Teller mit chilenischen Teigtaschen in der Hand. „Super gewürzt, Chile ist am besten“, sagte sie - und dass man mit Essen viele Menschen auf lockere Art und Weise erreiche. Fand Christiane Merks auch, die das Rezept unbedingt nachkochen wollte.

So standen sie nebeneinander – Köche und Gäste. Shinyoung Cheon aus Südkorea hatte ihr Glasnudelgericht Jopche aufgestellt, Stefanie Brederecke schickte Auberginen mit Ziegenkäse und Olivenöl aus ihrem Heimatdorf Pianella/Abruzzen ins Spiel, und Uruguay hatte seine Spitzenspielerin Maria Burgues aufgeboten, die ihre Torta de Pappas einwechselte. Sie lebt schon seit 1979 in Dortmund und kocht bei Veranstaltungen, um mit den Erlösen eine Schule in Uruguay zu unterstützen. Und so kamen auch die gesamten Erlöse der Koch-WM einem guten Zweck zu.

Maria Burgues hat bereits eine lange Geschichte mit Dortmund, andere eine kurze mit Deutschland. Giovanni Gutierrez zum Beispiel. Der Kolumbianer ist Chemie-Ingenieur, besucht einen Integrationskurs und bedankte sich bei der Koch-WM fürs Erste schon mal mit leckeren Empanadas, Maultaschen aus Mais mit einer Füllung aus Kartoffeln, Rind- und Hühnerfleisch. Oder Kaam Gilles. Der Kameruner, der an der TU Dortmund Maschinenbau studiert und im Auslandsinstitut einen Deutschkurs belegt hat, bot einen Eintopf aus Bohnen, Tomaten und Zwiebeln an.

Kaam nutzte das Grenzübergreifende einer Weltmeisterschaft übrigens recht flott. Sein Hunger trieb ihn zu einem Sturmlauf aus dem Foyer bis auf den Vorplatz, wo er am deutschen Kochstand bei einer Dame mit einem „Podolski20“-Trikot einen echten deutschen Kartoffelsalat einwechselte.

Die Integration jedenfalls scheint schon mal gelungen.


 


 

 

 

 

 
 
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